„Ab dem 1. Januar 2019 verlangt das Tierschutzgesetz, dass die Ferkel für den Eingriff betäubt werden müssen. Doch die Agrarlobby tut alles, um das zu verhindern. Auf ihr Bitten hin hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen Gesetzentwurf in den Bundesrat eingebracht, um das Verbot der Kastration ohne Betäubung um 5 Jahre zu verschieben. Am Montag will der Agrarausschuss der Kammer darüber entscheiden.“ (Jost Maurin, für die taz am 2. September 2018)
Für die beiden Nürnberger*innen Lukas und Jasmin sind diese Zeilen ein Weckruf. Ihnen wird klar: Sie müssen etwas unternehmen! Im Alltag haben sie sich bereits gegen Tierleid positioniert, indem sie sich beide vegan ernähren. Doch da nur ein kleiner Teil ihrer Mitbürger*innen vollständig auf tierische Produkte verzichtet, empfinden sie es als unabdingbar, die Lebensbedingungen der sogenannten „Nutz“tiere massiv zu verbessern. Durch die Positionierung der CSU wird Lukas und Jasmin jedoch wieder einmal der geringe Stellenwert dieses Anliegens in weiten Teilen der deutschen Politik bewusst.
Bei der Kastration in deutschen Sauhaltungsbetrieben werden die Hodensäcke der Ferkel ohne jede Betäubung mit einem Skalpell aufgeschnitten. Die Hoden werden herausgezogen und der Samenstrang durchtrennt. Dieser martialische Eingriff erfolgt nicht einmal durch Tierärzt*innen. Nach der Desinfektion wird das blutende Tier in seinem Stall zurückgelassen. Dieses unnötige Leiden der männlichen Jungtiere ist vermeidbar. Für die Landwirte ist diese Methode jedoch einfacher und spart Kosten.
Noch am selben Tag setzen sich Lukas und Jasmin mit ihrem Freund Johannes in Verbindung. Sie wollen etwas tun, sich einem System entgegenstellen, das auf der Quälerei von wehrlosen Tieren basiert.
Das Ergebnis ihrer Planungen: Am 25. September 2018 veranstalten sie eine Demonstration in der Nürnberger Innenstadt. Johannes führt sie als Megafon-Sprecher an, gefolgt von Redner*innen der Tierschutzpartei, der V-Partei, der Grünen und der Linken. Auch die Organisation Menschen für Tierrechte Nürnberg und weitere Organisationen sind stark vertreten. Zusätzlich schaffen die drei Aktivist*innen es, innerhalb von wenigen Tagen 800 handschriftliche Unterschriften zu sammeln, die als Appell an die Abgeordneten der mitregierenden SPD-Bundestagsfraktion in Erlangen, Fürth und Nürnberg gerichtet sind. Die Listen können in Erlangen und Fürth bei einem persönlichen Gespräch überreicht werden, in Nürnberg werden sie postalisch zugestellt.
Ein Mitarbeiter von Carsten Träger (MdB der SPD Fürth) berichtet, dass schon mehrfach Landwirte und deren Verbände das Abgeordnetenbüro besucht hätten, aber noch nie Tierschützer. Dies ist das Schlüsselerlebnis, das Lukas zu dem Gedanken bringt: „Das muss sich ändern! Wir brauchen eine effektive Tier-Lobby.“
Leider ist aller Einsatz vorerst vergebens. Die SPD knickt ein, die Regierung verschiebt das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln um zwei Jahre, obwohl der Ausstieg bereits fünf Jahre vorher beschlossen worden war. Durch den Protestherbst 2018 mit weiteren Aktionen von Tierschutzorganisationen in ganz Deutschland wurde jedoch ein Zeichen gesetzt: Tierleid kann und darf nicht unter den Tisch gekehrt werden. Es kam zu keiner weiteren Verschiebung, wodurch das längst überfällige Verbot am 01. Januar 2021 endlich in Kraft trat.
Im Dezember 2018 trifft Lukas auf der Weihnachtsfeier des Nürnberger Kreisverbandes der Grünen das erste Mal auf Sylvia. Die beiden schmieden Pläne zur Etablierung einer ambitionierten, verpflichtenden Haltungskennzeichnung auf allen tierischen Nahrungsmitteln, um Transparenz zu schaffen und Tierprodukte aus besonders schlechten Haltungsformen zu verdrängen. Mit einer gemeinsamen Fahrt zu einem Arbeitskreis der Grünen in München im Februar 2019 kommt das Projekt in Gang. Bei dieser lernen sich auch Sylvia und Johannes kennen, die fortan das Leitungsteam der Deutschen Tier-Lobby bilden. Dieses wird später um Oliver und Anne ergänzt.
Bei der Auftaktveranstaltung am 29. Juni 2019 der damaligen Tier-Lobby in Nürnberg freut man sich über die rege Teilnahme vieler regionaler und überregionaler Organisationen wie ProVieh, den Bundesverband Menschen für Tierrechte, die Menschen für Tierrechte Nürnberg und Vegan Works. Auch Parteien sind wieder vertreten. Das Kernprinzip der politischen Lobbyarbeit rückt nun immer mehr in den Vordergrund. Auch unerlässlich ist von Anfang an, dass sich die DTL anschickt, das größte und schlagkräftigste deutsche Tierschutz-Netzwerk aus vielen verschiedenen Organisationen aufzubauen, um diese mit dem Instrument des DTL-Aktions-Newsletters über organisationsübergreifende, bundesweite Aktionen zu informieren und zum Mitmachen zu animieren. Denn nur gemeinsam kann der Durchbruch geschafft werden. Außerdem ist die DTL Teil des Bündnisses „Kräfte bündeln“. Die Vision der DTL, die mit den Kooperationen angestrebt wird, ist eine Welt mit radikal besseren Lebensbedingungen für die „Nutz“tiere sowie die massive Senkung der Tiernutzung durch den Menschen.
Der bundesweite politische Anspruch ist Lukas und Johannes besonders wichtig. Gemeinsam mit Sylvia und neu hinzugekommenen Aktiven entscheiden sie sich letztendlich für einen Namen, der die Leitlinie ihrer Organisation prägnant und kämpferisch widerspiegelt: Die Deutsche Tier-Lobby (DTL).
Unser Konzept zur Haltungskennzeichnung von den bayerischen Grünen auf der Landesdelegiertenkonferenz in Lindau übernommen.
Unsere Online-Aktion gegen die Haltung von Sauen in den grausamen Kastenständen ist mit ca. 10.000 Teilnehmenden ein voller Erfolg.
Die DTL wird offiziell als Verein gegründet und kurz darauf ins Vereinsregister eingetragen. Zudem erfolgt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit.
...im Deckzentrum innerhalb von 8 bis 10 Jahren. Im Abferkelbereich läuft die Frist bis zum Inkrafttreten von Neuregelungen mit 15 bis 17 Jahren deutlich länger. Ein Ausstieg ist auch danach nicht vorgesehen, sondern nur eine Verkürzung der Aufenthaltsdauer.
Der bundesweite Aktionstag umfasst 20 Veranstaltungen. Die Mahnwache in Deutschland erlangt durch die überregionale Berichtserstattung von der Tagesschau und den Tagesthemen.
Das Jahr beginnt mit dem Start des vom Umweltbundesamt geförderten Projekts.
...mit 16 Veranstaltungen in ganz Deutschland und Berichterstattungen von Antenne Bayern, die Nürnberger Nachrichten, nordbayern.de und dem NDR.
...mit Fokus auf unsere Aktion #LasstDieSauRaus zur Abschaffung von Kastenständen mit dem #tierschutzwahl21.
Der Verein Menschen für Tierrechte "Nürnberg" beschließt seine Auflösung. Ihre Arbeit wird unter unserem Dach fortgesetzt, insbesondere ihre Aktionen gegen die Tierversuche am Nürnberger Nord-Klinikum.
Mit dem Projekt "#LasstDieKuhLos – Anbindehaltung, Kastenstände und andere Qualhaltungen abschaffen!" werden unsere Mitbürger*innen dazu aufgerufen, Druck bei der Politik zu machen, um das besonders schlimme Tierleid durch Anbindehaltung, Kastenstände und weitere Käfighaltungsformen unverzüglich zu beenden!
Zu Beginn der Jahres beziehen wir den Westtorgraben 19 in Nürnberg als unsere offizielle Geschäftsstelle.

Diese verschicken wir laufend an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir sowie an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.
Der Verein Menschen für Tiere "Nürnberg" e.V. tritt uns bei.
#- und E-Mail-Aktion an Ludwig Hartmann, Mitglied des bayerischen Landtags, B.90/Die Grünen.

...online sowie offline mit rund 20 Veranstaltungen in ganz Deutschland. In Nürnberg organisieren wir die größte Aktion mit Demo, satirischer Gegendemo, Kundgebung, Reden & Musik. Die Online-Aktion wird von insgesamt 60 Organisationen unterstützt.

Nach neun Jahren, die Emma hauptsächlich in ganzjähriger Anbindehaltung auf einem Hof in Thüringen verbracht hat, dürfen wir sie auf dem Gnadenhof in Pegnitz willkommen heißen.
Als Deutsche Tier-Lobby e.V. haben wir ihre Befreiung organisiert und beteiligen uns mit rund 50% an den monatlichen Kosten für ihre Unterbringung. Berichterstattung durch die Nürnberger Nachrichten sowie den Nordbayerischen Kurier.
Wenn Du Emma unterstützen möchtest, kannst Du hier eine Patenschaft für sie abschließen.
Unter dem Motto "Konstruktive Mitarbeit statt Blockaden" veranstalten wir eine Kundgebung vor dem FDP Parteitag.
Wir fordern, dass die FDP aufhört, jegliche Beschlüsse für mehr Tierschutz zu blockieren und sich zumindest an die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags hält.
Die Partei lenkt nach der Aktion ein. Doch bevor die Verschärfung des Tierschutzgesetzes durchgesetzt werden kann, zerbricht die Regierung.

Diesmal richtet sich Postkarten an die Fraktionsvorsitzenden der aktuelle Ampelregierung. Wir erinnern sie an das schreckliche Leid der Rinder in Anbindehaltung und fordern sie dazu auf, sich für das baldige Ende dieser Qualhaltung einzusetzen.
Aktuell läuft unsere Postkarten-Aktion an den derzeitigen Landwirtschaftsminister Alois Rainer.

...mit 15 Veranstaltungen in ganz Deutschland, sowie der Beteiligung von über 60 Organisationen online.
In Nürnberg organisieren wir eine Mahnwache & Redebeiträge und werden von Greenpeace Nürnberg unterstützt.
Außerdem zeigen wir zum ersten Mal unseren Film "Emma - die Geschichte einer Befreiung".
Für die Petition sammeln wir Unterschriften in Nürnberg, Würzburg, Bayreuth, Köln, München & Leipzig. Außerdem erhalten wir Unterstützung von unseren Bündnispartner*innen.
Online fahren wir eine große Social Media Kampagne, an der sich viele Organisationen, Influencer und Prominente beteiligen.
Insgesamt erreicht die Petition 22.587 Unterschriften.
Die alte und die neue Bundesregierung müssen sich jeweils mit unseren Forderungen befassen

Beim Ball der Union erregen wir einige Aufmerksamkeit mit unserer Anti-Qualen-Fashion.
Bei der Berlinale wiederholen wir unsere Aktion und auch im kommenden Jahr sind wir wieder mit den Kleidern auf dem Ball der Union. Die Kleider kommen auch zukünftig zum Einsatz.

Wir demonstrieren mit vielen anderen gegen die Ernennung von Günter Felßner als Bundeslandwirtschaftsminister.
Nicht nur hat Felßner einen Strafbefehl wegen Boden- und Gewässerverunreinigung, auch steht er als Vorsitzender des Bauernverbands in einem massiven Interessenkonflikt.

Unsere Postkarten-Aktion zur ausstehenden Prüfung des Normenkontrollantrags zu den Haltungsbedingungen von Schweinen an das Bundesverfassungsgericht startet.

Als Höhepunkt von #Gerechtigkeit für Schweine veranstalten wir mit einem großen Bündnis aus Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen eine Demonstration vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.
Wir rufen dazu auf, im Normenkontrollantrag des Bundeslands Berlin zur Vereinbarkeit der Haltungsbedingungen für Schweine mit dem Tierschutz- und Grundgesetz eine Entscheidung zu treffen.
Dabei übergeben wir 12.296 unterschriebenen Postkarten.
Gleichzeitig findet eine Online-Aktion unter #GerechtigkeitFürSchweine statt, bei der fast 200 Organisationen beteiligt sind.
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