Die Deutsche Tier-Lobby e.V. zeigt sich sehr enttäuscht über die Verschiebung des Inkrafttretens des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes vom 01.08.2025 auf den 01.03.2026. Damit wird ein zentrales tierschutzpolitisches Vorhaben weiter verzögert, das seit Jahren als Grundpfeiler einer transparenten und verbraucherorientierten Agrarwende angekündigt wird.
„Diese Entscheidung ist ein weiterer Tiefpunkt in der Glaubwürdigkeit deutscher Tierschutzpolitik“, kritisiert Lukas Feldmeier, 1. Vorsitzender der Deutschen Tier-Lobby e.V. „Seit Jahren werden Tierschutzgesetze angekündigt, verschoben, verwässert – und am Ende bleiben die Tiere die Verlierer.“
Die nun angekündigte Verschiebung reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie von Verzögerungen zentraler Tierschutzreformen:
- Die Abschaffung der betäubungslosen Ferkelkastration wurde trotz klarer gesetzlicher Frist um zwei Jahre verschoben und ist erst Anfang 2021 in Kraft getreten.
- Auch bei der Reform der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sowie bei der Verabschiedung eines neuen Tierschutzgesetz inkl. des angekündigten Ausstiegs aus der Anbindehaltung hinkt die Politik den eigenen Vorhaben weit hinterher.
- Der Umbau der Nutztierhaltung stockt weiterhin – trotz breiter gesellschaftlicher Zustimmung und fundierter Empfehlungen der Borchert-Kommission. Erst kürzlich hat sich Bundeslandwirtschaftsminister Rainer gegen die überfällige Einführung einer sog. Tierwohlabgabe ausgesprochen.
„Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz sollte ein Signal sein: für mehr Transparenz, mehr Tierschutz und mündige Verbraucher“, so Feldmeier weiter. „Stattdessen erleben wir die nächste Hinhaltetaktik. Für die Tiere in den Ställen bedeutet das: weiteres Warten auf Verbesserungen, während Millionen von ihnen weiterhin unter industriellen und damit fast ausnahmeslos unter tierquälerischen Haltungsbedingungen leiden.“
Die Deutsche Tier-Lobby fordert die sofortige gesetzliche Verankerung einer verbindlichen, leicht verständlichen und flächendeckenden Haltungskennzeichnung – analog zur Eierkennzeichnung, aber für alle Tierarten und Vertriebswege sowie mit einer Höchststufe, die deutlich über die Anforderungen des EU Bio-Labels hinausgeht.
Die vorliegende Verschleppung zerstört Planungs- und Rechtssicherheit und schädigt damit nicht nur das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern auch das der Landwirtinnen und Landwirte, die in tiergerechtere Haltungen investieren wollen oder das bereits getan haben und nun auf eine Honorierung ihrer Bemühungen warten müssen.
„Wer echten Fortschritt im Tierschutz will, muss verlässlich handeln – nicht nur reden“, mahnt Feldmeier.